Der Begriff RAW Format ist für die meisten Fotografen nichts neues. Trotzdem trauen sich gerade
wissbegierige Foto-neulinge nicht, es auch für die eigenen Bilder zu verwenden. Der Grund hierfür:
Unhandlich große Datenmengen, die schnell gerne mal den Smartphone oder Laptop Speicher
sprengen. Auch die mit dem Format zusammenhängenden Bildbearbeitungsprogramme erschlagen
einen förmlich mit ihrer Auswahl an Möglichkeiten und schrecken den neugierigen Benutzer erst
einmal ab. Dabei sollten gerade Anfänger auf die Zauberkraft des so kompliziert anmutenden
Formats vertrauen.

Original RAW-Bild

Aber warum?
Nehmen wir einmal an, dass wir gerade in den Bergen waren und den unbeschreiblichsten
Sonnenaufgang unseres Lebens fotografiert haben. Wir haben schon allen Freunden und Verwandten
erzählt, dass sie sich schon bald über die Wahnsinns Aufnahmen in ihrem Instagram Feed freuen
können. Doch dann der Schock: Wir sitzen wieder Zuhause und öffnen das Bild am Computer und
sehen, dass das Bild nichts mit unseren Erwartungen zu tun hat. Alle Aufnahmen vom Sonnenaufgang
sind nicht nur herrlich unterbelichtet, es fehlen auch alle Details in den Schatten. Dafür haben wir
aber einen wunderbaren Blau-Grünstich, weil sich der Weißabgleich lieber auf ein Blatt im
Vordergrund, als auf die nur unbedeutend größere Sonne konzentriert hat. Jetzt ist guter Rat teuer.
Haben wir das Foto nur in JPEG aufgenommen, ist für uns der Trip in die Berge gelaufen. Die Dunklen
stellen im Bild sind fast unwiederbringlich schwarz und der Blaustich zerstört alle Farbdetails.
Zum Glück waren wir aber so schlau, unsere Kamera in den Qualitätseinstellungen auf „RAW“ zu
stellen. Also schnell den Raw Ordner von der SD-Karte in Lightroom oder Camera RAW importiert
und los geht es.

Original RAW-Bild


Das RAW Format beinhaltet alle Informationen, um unser Bild zu retten. Möglich ist das, weil unsere
Kamera beim Abdrücken alle Informationen vom Sensor erfasst hat und danach 1:1 auf unsere Karte
geschrieben hat. Das Bild befindet sich dann in einem (wie der Name schon sagt) Rohzustand. Im
Gegensatz zum JPEG, wird der Bilddatei von der Kamera kein vermutlich falscher Weißabgleich und
eine vielleicht schreckliche Tönung aufgezwungen. Nicht einmal die so geliebten „Kreativoptionen“
wie Schwarzweiß, Sepia und „Nostalgie“ werden an die Datei weitergegeben. Das Bild beliebt so wie
es auf den Sensor belichtet wurde. Aber es kommt noch besser: Weil die Bilddatei nicht von der
Kamera komprimiert wurde, bleiben uns auch deutlich mehr Informationen über die dunklen und zu
hellen Stellen im Bild erhalten. Dadurch können wir Details zurückholen und ausgebrannte Stellen
normalisieren. Somit können wir unser Bild mit nur ein paar Klicks retten und alle können an
unserem Sonnenaufgang teilhaben. Und als kleines Easteregg am Rande, hat unser Raw Foto wegen
der vielen Bildinformationen eine viel bessere Bildqualität. Ein JPEG Farbkanal besitzt gerade einmal
256 Helligkeitsabstufungen pro Farbkanal, wo sich hingegen ein RAW Foto aus 16.384
Helligkeitsabstufungen bedienen kann. Das führt in den meisten Fällen in der Bearbeitung zu viel
feineren Ergebnissen als bei einem JPEG Bild.


Der Nachteil: RAW Dateien sind Groß. Während sich eine Aufnahme in JPEG mit 3-5MB unseres
Speichers zufriedengibt, gönnt sich eine RAW Datei auch gerne mal das zehnfache an Platz. Darum ist
immer ratsam auch eine Zweite SD-Karte mitzunehmen. Außerdem lassen sich RAW Dateien nicht
mit jedem Programm öffnen, bevor sie bearbeitet wurden. Dennoch sind sie die geretteten
Momente unserer Meinung nach wert.


Aber jetzt nach diesem kleinen Exkurs zurück zu unserer Aufo-RAW-Challenge!
Wir haben euch drei verschiedene RAW Bilder gegeben und ihr habt sie bearbeitet, um zu sehen wie
viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, alle Informationen aus einer RAW Datei zu bekommen. Das
Ergebnis hat uns umgehauen. Als wir uns beim Onlinestammtisch die einzelnen Aufnahmen
angesehen haben, konnten wir gar nicht glauben, dass das ein und dasselbe Bild ist.

Dadurch, dass Jeder alle Möglichkeiten offen hatte, haben sich aus dem einen Originalfoto unendlich
viele Ergebnisse erzielen lassen. Während die einen alle Informationen aus der RAW Datei
ausgenutzt haben und ein peppiges und farbenfrohes Bild erstellt haben, haben andere die
Möglichkeit genutzt, alle Farbprofile zu glätten und analog oder sehr matt aussehende Bilder zu
generieren.


Aber anstatt die einzelnen Bilder jetzt zu zerreden, laden wir euch ein, euch die Bilder gerne auch
selbst anzuschauen und durchzudenken. Wir wünschen euch dabei viel Spaß und freuen uns schon
auf die nächste AUFO-RAW-Challenge!

Original RAW-Bild