Lerne die Menschen hinter den Augsburger Fotografen kennen.

In unseren Porträts stellen sich die Mitglieder von den AuFo’s vor, erzählen von ihrer Leidenschaft für die Fotografie, ihren Lieblingsmotiven und persönlichen Erfahrungen.

So erhältst du einen Einblick in die vielfältigen Persönlichkeiten, die unsere Gemeinschaft prägen.


Interview mit Henry A. Schulze

Mein Name ist Henry A. Schulze, geboren in Magdeburg und seit vielen Jahren in Augsburg zu Hause. Beruflich arbeite ich als Therapeut und verbringe einen
großen Teil meiner Zeit mit Menschen. In meiner Freizeit hat die Fotografie einen festen Platz – sie ist für mich ein kreativer Ausgleich und begleitet mich inzwischen seit vielen Jahren.
Ich fotografiere am liebsten dort, wo Licht, Menschen und Architektur aufeinandertreffen. Dabei bin ich sowohl analog als auch digital unterwegs und freue mich immer wieder über den Austausch mit anderen Fotografinnen und Fotografen in Augsburg.

Bild: Daniel Büttner


– Wer bist du, wenn du gerade keine Kamera in der Hand hast?
Wenn ich keine Kamera in der Hand habe, bin ich Therapeut mit eigener Praxis und habe mich auf die Lymphologie spezialisiert. Als Fachlehrer und international tätiger Referent bin ich außerdem regelmäßig unterwegs, um mein Wissen weiterzugeben. Die Arbeit mit Menschen prägt meinen Alltag und hat mich gelehrt, aufmerksam hinzusehen, zuzuhören und auch die kleinen Details wahrzunehmen – etwas, das mir auch in der Fotografie sehr wichtig ist.
Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist die Musik. Ich spiele seit meinem elften Lebensjahr Gitarre und begleite dieses Hobby inzwischen seit über drei Jahrzehnten. Früher war ich außerdem viel in den Bergen zum Klettern unterwegs. Heute ist die Zeit dafür oft begrenzter, und gerade deshalb hat die Fotografie wieder einen festen Platz in meinem Leben gefunden. Sie ist für mich kreativer Ausgleich, Entschleunigung und die Möglichkeit, die Welt immer wieder mit neuen Augen zu entdecken.


– Welche drei Eigenschaften beschreiben dich am besten?
Geduldig, aufmerksam und humorvoll. Ich nehme mir gerne Zeit für Menschen und Details, beobachte bewusst mein Umfeld und finde, dass eine gute Portion Humor vieles einfacher macht.


– Was begeistert dich im Leben genauso sehr wie die Fotografie?
Ganz klar: Musik. Sie ist für mich genauso vielseitig wie die Fotografie und begleitet mich schon einen großen Teil meines Lebens. Dabei geht es nicht nur ums Musikhören oder Gitarre spielen; ich habe eigene Musik geschrieben, produziert und mich sogar mit Instrumentenbau beschäftigt.
Mich fasziniert der kreative Prozess genauso wie die vielen kleinen Details, die am Ende den Unterschied machen. Genau diese Mischung aus Kreativität, Technik und Aufmerksamkeit für Feinheiten finde ich auch in der Fotografie wieder.


– Gibt es eine Eigenschaft an dir, die viele Menschen überraschen würde?
Wahrscheinlich meine Vielseitigkeit. Viele Menschen nehmen mich zunächst als Therapeuten wahr und erfahren erst später, wie viele unterschiedliche Interessen und Tätigkeiten mich darüber hinaus begleiten. Die Musik, die Fotografie, das Unterrichten als Fachlehrer, meine Arbeit als internationaler Referent und auch das Schreiben von Fachbüchern gehören für mich ganz selbstverständlich dazu. Dass sich all diese
Bereiche in einer Person vereinen, überrascht viele.


– Was möchtest du, dass Menschen nach einem Treffen mit dir über dich sagen?
Ich bin da recht entspannt und beschäftige mich nicht allzu sehr damit, was andere über mich denken. Mir ist wichtiger, dass Begegnungen ehrlich und auf Augenhöhe stattfinden. Wenn jemand nach einem Treffen sagt, „Das war ein angenehmer und authentischer Mensch“, dann reicht mir das vollkommen.


– Wenn du jemandem, der noch nie fotografiert hat, erklären müsstest, warum du fotografierst – was würdest du sagen?
Fotografie ist für mich ein kreatives Ventil und gleichzeitig eine Form der Beobachtung. Sie fordert mich dazu auf, genauer hinzusehen und Dinge wahrzunehmen, an denen andere vielleicht vorbeigehen. Mich reizt dabei sowohl die ästhetische Seite als auch der Gedanke, Entwicklungen, Orte und Stimmungen festzuhalten, die sich mit der Zeit verändern oder verschwinden.


– Viele Menschen machen Fotos. Wann wird aus dem Knipsen für dich echte Fotografie?
Für mich wird aus dem Knipsen Fotografie, wenn man sich bewusst mit Bildgestaltung auseinandersetzt. Es geht nicht nur darum, einen Moment festzuhalten, sondern darum, wie man ihn festhält. Licht, Perspektive, Komposition und Ästhetik spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade in der analogen Fotografie ist das besonders spürbar, weil man sich vor dem Auslösen Gedanken machen muss. Gleichzeitig gehört für mich auch der glückliche Zufall dazu – oft entstehen die spannendsten Bilder genau dort, wo Planung und spontane Momente aufeinandertreffen.


– Gibt es einen Ort in Augsburg, den du immer wieder fotografierst und trotzdem nie langweilig findest?
Zwei Orte ziehen mich immer wieder an: der Tunnel am Hauptbahnhof und das Gelände rund um den Gaskessel. Im Tunnel fasziniert mich vor allem das Licht, das je nach Tageszeit immer wieder neue Stimmungen erzeugt. Am Gaskessel mag ich die Mischung aus Industriecharme, Strukturen und den vielen fotografischen Möglichkeiten.
Langweilig werden mir diese Orte nie, weil sie sich ständig verändern – durch Licht, Wetter oder die Menschen, die dort unterwegs sind.
Gleichzeitig bietet Augsburg so viele spannende Kulissen, dass es am Ende immer darauf ankommt, was ich fotografieren möchte. Besonders reizvoll finde ich es, verschiedene Genres wie Streetfotografie, Architektur und Peoplefotografie miteinander zu verbinden.


– Was suchst du, wenn du durch die Stadt läufst: Licht, Menschen, Emotionen oder eher den Zufall?
Ich gehe selten mit einer festen Suche los. Es hängt von der Stimmung und dem ab, was mir unterwegs begegnet. Licht ist dabei natürlich ein wichtiger Bestandteil, aber wenn man gelernt hat, damit umzugehen, ist es fast egal, welche Kamera man in der Hand hält. Entscheidend sind für mich die besonderen Momente – die kleinen Szenen oder Stimmungen, die man nicht planen kann und die ein Bild erst lebendig machen.


– Augsburg hat viele Gesichter – welches zeigt sich deiner Meinung nach erst, wenn man mit der Kamera unterwegs ist?
Ich glaube, Augsburg zeigt seine spannendste Seite erst, wenn man langsamer wird. Mit der Kamera schaut man anders hin und entdeckt Details, Strukturen und Lichtstimmungen, die im Alltag leicht übersehen werden. Gerade diese Mischung aus Geschichte, Industrie, moderner Architektur und den Menschen, die die Stadt prägen, macht Augsburg für mich fotografisch so interessant.


– Was sehen Menschen auf deinen Bildern, dass sie vielleicht in dir selbst wiederfinden würden?
Ich glaube, meine Bilder zeigen, dass ich lieber beobachte als inszeniere. Mich faszinieren die leisen Momente zwischen Menschen, Licht und Architektur – Situationen, die oft nur für einen kurzen Augenblick entstehen. Die analoge Fotografie hat meinen Blick dafür geprägt, weil sie Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Vielleicht erkennen Menschen darin auch etwas von meiner eigenen Art wieder: neugierig, geduldig und mit Freude daran, genauer hinzusehen.


– Wann warst du das letzte Mal selbst sprachlos, als du ein fertiges Bild gesehen hast?
Sprachlos ist vielleicht das falsche Wort – aber ich überrasche mich tatsächlich immer wieder selbst. Gerade bei der analogen Fotografie sehe ich das fertige Bild oft mit etwas Abstand und entdecke Details, Lichtstimmungen oder Bildwirkungen, die ich beim Auslösen nur erahnt habe.
Genau diese Mischung aus bewusster Gestaltung und einem kleinen Stück Unvorhersehbarkeit begeistert mich bis heute.


– Wenn deine Bilder sprechen könnten – was würden sie über dich erzählen?
Ich glaube, sie würden erzählen, dass ich gerne beobachte und mir Zeit nehme. Dass ich Schönheit oft dort finde, wo andere vielleicht nur Alltag sehen. Und dass mich weniger das Offensichtliche interessiert als das, was zwischen Licht, Architektur und Menschen für einen kurzen Moment entsteht.


– Was inspiriert dich außerhalb der Fotografie?
Neben der Fotografie inspiriert mich vor allem die Musik. Sie begleitet mich schon seit vielen Jahren und hat meinen Blick für Rhythmus, Stimmung und Details geprägt. Inspiration finde ich aber auch überall dort, wo Licht, Formen und Menschen aufeinandertreffen. Oft sind es ganz alltägliche Situationen oder Orte, die erst durch ihre Atmosphäre interessant werden.


– Gibt es Themen oder Motive, die dich immer wieder magisch anziehen?
Mich faszinieren Orte, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Übergangsräume, besondere Lichtstimmungen, Spiegelungen oder klare Strukturen ziehen mich immer wieder an. Besonders spannend wird es für mich, wenn sich Architektur, Licht und Menschen für einen kurzen Moment zu einem Bild verbinden, das man so nicht planen kann.


– Welche Ausrede benutzt du, wenn Passanten dich komisch anschauen, während du einen Gullideckel oder eine Hauswand fotografierst?
Eigentlich gar keine. Meistens ist es mir ziemlich egal, was andere in dem Moment denken. Wenn mich etwas fotografisch interessiert, dann fotografiere ich es einfach. Und wer selbst fotografiert, versteht meistens ohnehin sofort, warum man plötzlich vor einer Hauswand oder einem Gullideckel stehen bleibt.


– Wie erklärst du Freunden, dass “nur kurz zum Fotografieren rausgehen” durchaus drei Stunden dauern kann?
„Ich bin gleich wieder da“ ist beim Fotografieren wahrscheinlich die unzuverlässigste Zeitangabe überhaupt. Viele Freunde wissen das inzwischen. Wenn man einmal im Fotografieren drin ist, vergeht die Zeit einfach anders und aus einer halben Stunde werden ganz schnell drei.


– Wenn Augsburg eine Person wäre – wie würdest du sie fotografieren?
Ich würde Augsburg erst einmal einfach machen lassen. Mit ihrem Alter und ihrer Geschichte weiß die Stadt ziemlich genau, wer sie ist. Ich müsste ihr nichts vorgeben, sondern nur aufmerksam beobachten und im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. Die spannendsten Bilder entstehen für mich ohnehin dann, wenn nichts gestellt ist.


– Was macht Augsburg für Fotografen besonders?
Für mich ist es der Charakter der Stadt. Augsburg ist nicht perfekt und genau das macht sie fotografisch so spannend. Historisches trifft auf Modernes, schöne Ecken auf Brüche und Widersprüche. Gerade diese Spuren der Vergangenheit und der Gegenwart verleihen der Stadt ihre Identität. Aus diesen Kontrasten entstehen oft die interessantesten Bilder.


– Welche Jahreszeit zeigt Augsburg von seiner schönsten Seite?
Ich könnte mich da gar nicht festlegen. Jede Jahreszeit bringt ihr eigenes Licht, ihre eigenen Farben und ihre eigene Stimmung mit. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass Augsburg für mich nie langweilig wird.


– Welche Entwicklung wünschst du dir für die Fotografie und die Fotografen-Community in Augsburg?
Ich bin zwar erst seit drei bis vier Jahren Teil der Augsburger Fotografen-Community, habe aber in dieser Zeit viele unterschiedliche Menschen und Sichtweisen kennengelernt. Genau diese Vielseitigkeit schätze ich sehr. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass diese Offenheit und der Austausch untereinander erhalten bleiben. Am meisten lernt man oft nicht durch Technik, sondern durch Gespräche, gemeinsame Fototouren und den Blick anderer auf dieselbe Szene.


– Wenn du einem jungen Fotografen aus Augsburg nur einen einzigen Satz mitgeben dürftest – welcher wäre das?
Einfach machen. Nicht zu viel über Technik nachdenken, sondern fotografieren, Erfahrungen sammeln und sich ehrlich mit den eigenen Bildern auseinandersetzen. Der eigene Blick entwickelt sich nicht am Schreibtisch, sondern hinter der Kamera.


– Stell dir vor, dieses Interview wird in zehn Jahren noch einmal gelesen. Was möchtest du deinem Zukünftigen Ich heute mit auf den Weg geben?
Eigentlich möchte ich meinem zukünftigen Ich gar nicht viele Ratschläge geben. Wichtig ist für mich, eine gute Zeit zu haben, neugierig zu bleiben und die Welt nicht zu verbissen zu betrachten. Wenn ich in zehn Jahren noch immer Freude daran habe, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mich an kleinen Dingen begeistern kann, dann ist schon vieles richtig gelaufen.

Interview mit Ina Grägel

Hallo zusammen, mein Name ist Ina Grägel, einige kennen mich einfach als Ina oder Inaceline. Mein zweiter Vorname lautet Celine, und ich dachte es wäre ein cooler Nickname meine zwei Namen zu verbinden.Ich bin gebürtige „Augschburgerin“. Ich arbeite für ein Münchner Unternehmen in der Energiebranche und da der Beruf recht technisch ist, bin ich froh, meine Kreativität mit meiner Nikon ausleben zu dürfen.

Die Fotografie war eigentlich der Traum meines Vaters – bei mir hat es erst spät „Klick“ gemacht, als ich aufgrund eines Schicksalsschlages krank wurde und mir zusammen mit einer Freundin kreativen Ausgleich gesucht habe.

Bild: Hagaff


– Was fasziniert Dich beim Fotografieren von Vögeln am Meisten?
Vögel sind so artenreich und vielseitig – von der Gestaltung Ihres Gefieders bis hin zu Ihrem Gesang. Ihr Verhalten in der Natur zu beobachten, ist nicht so schwer denn es gibt sie überall. Zudem sind Vögel die Tiere, die zusammen mit Krokodilen beinahe direkt von den Dinosauriern abstammen. Ein Huhn hat somit mehr mit einem T-Rex gemeinsam, als wir denken *grins*


– Welche Motive fotografierst Du sonst noch wenn es keine Vögel gibt?
Ich brauche immer mal wieder Abwechslung, da mir sonst schnell langweilig wird – daher fotografiere ich auch gern andere Tiere wie Insekten oder Säugetiere. Aber sehr oft auch Architektur, Landschaft und ein bisschen Street- so ein  pulsierendes Stadtleben kann unheimlich faszinierend sein und auch die Szenen, die sich dort abspielen. Besonders toll ist es mit Nachtbeleuchtung, da sieht man das andere Gesicht der Stadt. Neonschilder und schwache Laternenbeleuchtung wirkt oft magisch. Architektur und Landschaft wiederum sind sehr entspannend und laufen zeitlich langsamer ab.


– Wenn Du heute neu anfangen würdest – was würdest Du anders machen?
Ich würde meinen Ehrgeiz wahrscheinlich etwas einbremsen – mehr Wert auf Achtsamkeit legen. Auf Reisen oder in manchen Phasen war ich tatsächlich wie auf der „Jagd“. Da wurden Spots regelrecht mit Uhrzeiten getaktet (z.B. bei einem Stadturlaub) und es war mehr stressig als schön. Das geht dann auf Kosten der Kreativität, weil man schnell erschöpft ist und wenn dann einmal etwas wegen Wetter oder anderen Umständen nicht hinhaut, dann ist man besonders enttäuscht. Dabei sind die besten Aufnahmen meistens sowieso die, die unverhofft herausgekommen sind. Ich möchte künftig wieder den Druck herausnehmen und mich eher treiben lassen. Also langsamer, weniger – aber dafür wieder mit mehr Qualität.


– Woher nimmst Du neue Inspiration?
Tatsächlich finde ich es immer sehr spannend, was die anderen Fotografen aus der Community so machen und an neuen Anreizen bieten – da hat man dann wieder richtig Lust darauf, selbst etwas auszuprobieren – manchmal auch in einem fremden Genre. Ansonsten sind es Bilder aus der Kunst, die eine tolle Szene oder Stil präsentieren…der Vorgänger der Fotografie und einige Regeln, welchen Bildaufbau man ansprechend oder ästhetisch findet sind ja auch aus der Kunst. Manchmal blättere ich auch durch Reise oder Fotomagazine und bin dann angefixt.


– Wie erkennst Du einen besonderen Moment?
Wenn ich mit allen meinen Sinnen voll dabei bin und die Freude spüre. Das ist fast ein bisschen wie verliebt sein mit Schmetterlingen im Bauch. Wenn ich ganz im Moment bin, dann sind Geräusche, Gerüche, Gefühle und das was man durch die Linse sieht, stimmig und im Einklang. Das kann der laue Sommerwind sein, wenn die Sonne untergeht. Oder der heutige Geruch, das Grillenzirpen und das leichte Kratzen von Kornähren am Bein.


– Welche Aufnahme hat Dich am meisten Überwindung gekostet?
Das war eine Aufnahme eines Leuchtturms am Kap de Formentor auf Mallorca. Ich wollte den Leuchtturm zur blauen Stunde aufnehmen und habe daher zuvor einen geeigneten Spot recherchiert. Ich hatte im Urlaub leider zu wenig Zeit, um den Ort vorher ausgiebig zu scouten und bin einfach zur   richtigen Zeit drauflos. Vor Ort hat sich der Weg dann sehr beschwerlich herausgestellt – es war ein schmaler Sims auf einem hohen, gegenüberliegenden Fels entlang und der Boden bestand nur aus lockerem Geröll. Eigentlich war es ein Ziegenpfad, die mir dann auch mehr oder weniger Gesellschaft geleistet haben. Ich habe es nicht so mit der Höhe, deswegen war der Weg dorthin etwas unangenehm. Vor Ort saß ich dann noch eine Stunde im Schatten des Felsens, auf dem ich mich eingerichtet habe, um auf die Dämmerung zu warten. Es war einfach arschkalt, obwohl es in der Sonne bestimmt 30 Grad hatte. Nach dem Foto musste ich dann wieder schnell absteigen, weil ich den wackeligen Ziegenpfad mit der ganzen Ausrüstung nicht auch noch im Dunkeln absteigen wollte. Ich wurde dafür noch mit einer Aufnahme belohnt, wie die Sonne gerade hinter den Felsen am Kap untergeht – also hatte sich der Aufwand schon rentiert.


– Wie wichtig ist Technik für gute Bilder?
Die Technik der Kamera ist das Grundgerüst, sozusagen die Basics für gute Bilder. Man sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Das ist nichts, was man nicht lernen kann. Es gibt nichts Blöderes, als im richtigen Moment nicht zu wissen, was man tun muss um es festzuhalten. Passiert ist mir das natürlich auch schon – dass ich nicht die richtige Einstellung hatte oder die Lichtverhältnisse sich verändert haben. Außerdem erleichtert uns die Technik heutzutage vieles – es ist unglaublich wie leistungsstark heutige Kameras sind was Fokus, Bildschärfe und Rauschunterdrückung angeht. Die Technik ist unser Support, aber wir müssen schon noch selbst entscheiden, was wir vermitteln wollen – und welche Atmosphäre wir einfangen möchten.


– Welche fotografische Fähigkeit würdest Du gern noch perfektionieren?
Ich würde gern noch mehr Variationen in Bewegung reinbringen – Bewegungsunschärfe zeigen, da gibt es ja ganz viele Arten wie man mit Bewegung spielen kann. Bei Vögeln, die mit den Flügeln schlagen oder im Stadtverkehr. Es fällt mir nicht so leicht, solche Dinge auszuprobieren. Man verlässt sich zu oft auf die Dinge, bei denen man sich sicher ist. Auch würde ich gerne mehr Makrofotografie und Insekten ausprobieren. Damit muss ich mich aber wahrscheinlich separat mal befassen.


– Wie oft versteckst Du Dich für ein Bild im Gebüsch?
Haha, das ist eine gute Frage – aber tatsächlich nicht oft. Ist natürlich die Frage, für welches Motiv. Bei einem menschlichen Motiv könnte das fragwürdig sein. Für richtige Wildlife-Fotografie wie z.B. Rehe oder dergleichen sollte man das natürlich. Das kommt auch vielleicht noch. Tatsächlich liege ich aber oft im Gras oder am Boden. Die Bodenstruktur kann unheimlich interessant sein als Vordergrund für ein Motiv.


– Welches Missgeschick ist Dir beim Fotografieren passiert?
Mal von den unzähligen verschlampten Objektivdeckeln abgesehen, bin ich schon einmal mit leerem Akku losgezogen und hatte als Ersatz dann einen falschen Akku dabei. Und es ist ganz toll, wenn es dann erst am Spot auffällt – also mehr Zeit in die Vorbereitung investieren !

Aber ich bin auch schon mit einer Freundin im Winter bei Schnee los, um eine Burgruine aufzunehmen. Im Feld bin ich dann in eine knietiefe Eispfütze eingebrochen und hatte nasse Socken. Das war unangenehm!


– Worauf bist Du besonders stolz?
Ich bin stolz, dass ich ein Teil der Community bin und so akzeptiert werde, wie ich bin und jeder seinem Stil treu bleiben kann. In Thailand konnte ich einen „Hornbill“-Vogel (Nashornvogel) fotografieren, darauf bin ich stolz bzw. hatte ich tatsächlich darauf gehofft. Unterschiedliche Vögel zu fotografieren ist auch ein bisschen wie Pokemon-Karten sammeln – es gibt für Vogelbegeisterte extra Apps zum dokumentieren oder Gesangserkennung.


– Was verbindet Fotografen unabhängig vom Alter?
Ich würde sagen, der Ausdruck von Kreativität und  das Bewusstsein für Details und besondere Momente. Es geht gar nicht um das fertige Bild – es geht auch um das Erlebnis an sich, bei dem man auch Abenteuer erleben kann. Die Umstände um einen herum, während man auf den Auslöser drückt. Und das schafft auch Gemeinsamkeit, wenn man sich die Erlebnisse erzählt und dann z.B. die Ergebnisse präsentiert. Schon allein deshalb ist Fotografie nie langweilig und es entstehen Geschichten.

Interview mit Sandy Jendryka

Mein Name ist Sandfort Jendryka, die meisten kennen mich aber als Sandy. Ich bin in Aichach geboren und lebe seit 66 Jahren in Augsburg.


Die Fotografie begleitet mich inzwischen seit 46 Jahren. Angefangen habe ich mit der Tier, Natur und Landschaftsfotografie bis hin zur Streetfotografie, die ich 2013 für mich entdeckt habe und die mir bis heute am meisten Spaß macht.

Seit 2022 bin ich bei den Augsburger Fotografen dabei und freue mich immer wieder auf die gemeinsamen Fotowalks, den AuFo-Stammtisch und den Austausch mit anderen Fotografinnen und Fotografen.


– Was oder wer hat dich zur Streetfotografie gebracht?
Es war der Schweizer Fotograf Thomas Leuthard. 2013 entdeckte ich zufällig seine Bilder auf Flickr und war fasziniert von seinen Bildern. Zu dieser Zeit war Streetfotografie noch kein so großes Thema wie heute, also fing ich an, mich mehr über das Thema zu informieren. Dabei stieß ich auf einen weiteren Namen: Henri Cartier-Bresson. Er war ein Meister der Dokumentar- und Streetfotografie. Letztendlich waren es seine Bilder, die mich dazu brachten, etwas Neues auszuprobieren und mit der Streetfotografie anzufangen.


– Erinnerst du dich noch an dein erstes Foto?
An mein erstes Foto kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß aber noch, dass meine ersten Bilder Portraits meiner Freundin waren.

– Wenn du jemandem erklären müsstest, warum du fotografierst, was würdest du sagen?
Es ist wie bei jedem anderem Hobby, es macht mir richtig Spaß und es ist mein kreativer Ausgleich zum Alltagsleben. Meine Begeisterung für die Fotografie begann schon in meiner Jugend, da knipste ich noch mit einer Kodak Pocket. Seitdem ist die Fotografie eine Leidenschaft, die mich bis heute begleitet.


– Gibt es Motive, die dich nie loslassen?
Mich fasziniert immer wieder das Zusammenspiel von Menschen, Licht und Schatten sowie Kontrasten.


– Gibt es ein unersetzliches Objektiv oder eine Lieblingsbrennweite?
35 mm und 50 mm – mit diesen Brennweiten entstehen die meisten meiner Bilder.


– Warum sind deine Bilder ausschließlich in Schwarz-Weiß?
Schwarzweiß reduziert ein Bild auf das Wesentliche. Formen, Strukturen, Licht und Schatten kommen dadurch besonders zur Geltung. Schon in der analogen Zeit hat mich die Schwarzweiß-Fotografie begeistert. Bis heute schätze ich ihre zeitlose und ausdrucksstarke Wirkung.

Oder, wie es Robert Hagaff treffend formuliert: „Schwarzweiß ist Farbe genug.“


– Welches Bild hat die längste Vorbereitung benötigt bzw. auf welches Bild hast du am längsten gewartet?
Für meine Fotowalks bereite ich mich eigentlich nicht vor. Die Kameras mit vollem Akku liegen immer in der Tasche und meistens ziehe ich ganz spontan los. Ich bin keiner der sehr lange auf ein Motiv wartet. Es gibt aber auch ein paar Ausnahmen z.B. die Gasse Butzenbergle in Augsburg, die mir richtig gut gefällt.


– Was macht Augsburg aus fotografischer Sicht besonders?
Augsburg ist seit 66 Jahren meine Heimat und damit mein fotografisches Revier. Ich kenne die Stadt sehr gut und weiß, wo und wann das Licht besonders schön ist. Vor allem die Altstadt mit ihren vielen Gassen bietet zu jeder Jahreszeit tolle Motive. Ich mag die Größe, die kulturelle Vielfalt und das besondere Flair der Stadt. Alles ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad schnell erreichbar, du greifst dir deine Kamera und ziehst los.

Interview mit Silvia Worm

Ich bin Silvia Worm, ein Nordlicht, das seit einigen Jahren in Bayern zu Hause ist. Geboren bin ich in Mölln, Schleswig-Holstein. Heute lebe ich südwestlich von München in der Nähe des wunderschönen Ammersees. Dort bin ich besonders gern mit meiner Kamera unterwegs.

Die Fotografie begleitet mich seit meiner frühen Kindheit. Schon als kleines Mädchen habe ich bei meiner Oma die Polaroid-Sofortbildkamera aus dem Schrank gekramt, damit gespielt und fleißig fotografiert. Vermutlich war meine Oma darüber weniger begeistert als ich. Aus dieser frühen Neugier ist eine Leidenschaft geworden, die mich bis heute begleitet.

Am meisten interessieren mich die Landschaftsfotografie, die kreative Portraitfotografie und im Business-Bereich die Personal-Branding-Fotografie. Mit meinen Bildern halte ich Momente fest, fange Licht in seinen schönsten Farben ein und erzähle Geschichten, die Menschen mir zeigen.

Seit 2022 arbeite ich auch beruflich als Fotografin. Bei den Augsburger Fotografen bin ich seit 2024 dabei. Ich freue mich über den Austausch mit den anderen Fotografen und genieße unsere gemeinsamen Aktivitäten, die Fotowalks, die Stammtische und die Atelierabende bei Robert.


– Wann hast du zum ersten Mal eine Kamera in die Hand genommen?

Meine erste Begegnung mit einer Kamera war schon als kleines Kind. Meine Oma hatte eine Polaroid-Sofortbildkamera. Die lag in ihrem Wohnzimmerschrank und die habe ich immer wieder herausgekramt, wenn wir zu Besuch waren. Ich weiß sogar noch ziemlich genau, wo sie aufbewahrt wurde: hinter der Klapptür im unteren Bereich ihres Wohnzimmerschranks, zusammen mit den Fotoalben.

Für mich war diese Kamera damals vor allem ein spannendes Spielzeug. Ich konnte sie in die Hand nehmen, damit herumprobieren und auf den Auslöser drücken. Dass ich dabei tatsächlich Fotos machte, war mir vermutlich noch gar nicht richtig bewusst. Meine Oma hat das wahrscheinlich etwas anders gesehen und war über meine Begeisterung nicht immer ganz so erfreut.

So begann meine Geschichte mit der Fotografie: mit kindlicher Neugier und der Polaroidkamera aus Omas Wohnzimmerschrank.


– Wann hast du gemerkt: Das ist mehr als nur ein Hobby?
Die Liebe zur Fotografie ist bei mir über viele Jahre gewachsen. Sie begleitet mich seit meiner Kindheit und ist mit mir durch die unterschiedlichen Lebensphasen gegangen. Als Jugendliche hatte ich meine eigene Kompaktkamera, die bei Unternehmungen mit Freunden und auf Partys immer dabei war. Wir haben damals sogar schon Selbstporträts (Selfies) gemacht, noch bevor wir dafür ein Handy in der Hand hielten. So sind viele Erinnerungen an diese Zeit entstanden.

Mit Anfang zwanzig kaufte ich mir eine hochwertigere digitale Kamera und begann, im manuellen Modus zu fotografieren. Ich hielt meine Urlaubserlebnisse fest und entdeckte zunehmend meine Begeisterung für Landschaften. Mit der Zeit wurde mein Blick bewusster. Ich beschäftigte mich intensiver mit den Möglichkeiten der Fotografie und damit, wie ich das, was ich sah, in einem Bild festhalten konnte.

Eine neue Bedeutung bekam die Fotografie während meines Journalismusstudiums. Den Wunsch, Geschichten zu erzählen und sichtbar zu machen, trug ich schon lange in mir. Im Studium konnte ich diesem Interesse nachgehen und mich zugleich mit Fotojournalismus und Bildanalysen beschäftigen. Zu meinen Artikeln und Reportagen gehörten immer auch Bilder, die die jeweilige Geschichte stützten. Diese Fotos machte ich selbst. Worte und Bilder fanden so immer stärker zusammen.

Besonders prägend war die Mitarbeit an dem studentischen Buchprojekt „Skandal – Die Macht öffentlicher Empörung“. Dafür führten wir Studierenden Interviews mit verschiedenen Persönlichkeiten. Ich durfte Natascha Kampusch einige Zeit nach ihrer Befreiung interviewen und sie auch für das Buch porträtieren. Diese Begegnung und die Arbeit daran waren für mich ein außergewöhnliches Erlebnis. Sie gehören bis heute zu den Höhepunkten meines Studiums.

In diesem Projekt kam vieles zusammen, was mich begeistert: einem Menschen zuhören, ein Interview führen, die persönliche Geschichte in Worte fassen und ein Porträt fotografieren. Meine Arbeit mit Text und Kamera wurde Teil eines Buches, das anschließend veröffentlicht wurde. Damit bekam auch meine Leidenschaft für die Fotografie eine neue Perspektive: Sie konnte Teil dessen werden, was ich beruflich machen wollte.

Wenn ich heute zurückblicke, sehe ich in diesem Projekt einen Grundstein für meinen weiteren Weg. Es hat vieles in Bewegung gebracht. Bis zu meiner Selbstständigkeit vergingen noch so einige Jahre, in denen sich dieser Weg weiterentwickelte. Seit 2022 arbeite ich auch beruflich als Fotografin in Teilzeit. Die Verbindung von Menschen, Geschichten und Bildern fasziniert mich bis heute. Sie gibt meiner Arbeit eine Richtung und verbindet meine Freude am Fotografieren mit meinem Wunsch, Geschichten zu erzählen.


– Was macht für dich ein wirklich gutes Bild aus?
In der Porträtfotografie ist ein wirklich gutes Bild für mich genau jenes, in dem eine echte Emotion sichtbar wird. Besonders mag ich diese Momente, in denen mein Gegenüber die Kamera für einen Augenblick komplett vergisst, sich frei bewegt und ganz selbstverständlich zeigt, was er oder sie gerade empfindet. Mein Job ist es dann, genau in diesem Moment den Auslöser zu drücken, ohne dass mein Gegenüber es bewusst wahrnimmt.

Das kann ein Lachen sein, das plötzlich aus ihm oder ihr herausbricht. Es kann aber auch ein ernster Blick sein, Traurigkeit oder Wut. Jede dieser Emotionen kann ein Bild tragen. Entscheidend ist für mich, dass die Emotionen aus dem Moment heraus entstehen und ich diese in ihrer Natürlichkeit festhalten kann.

Dabei darf ein Porträt natürlich unperfekt sein. Ein Gesicht muss für mich nicht makellos retuschiert werden. Gerade die kleinen Unvollkommenheiten können zu dem gehören, was einem Ausdruck oder einer Emotion erst Leben verleiht.

Solche Augenblicke lassen sich nur begrenzt planen. Ich muss als Fotografin aufmerksam sein, mein Gegenüber beobachten und den Moment erkennen, wenn er sich zeigt. Wenn es mir gelingt, dieses Echte einzufangen, entsteht für mich dieses besonders wertvolle Porträt: ein Bild, in dem Natürlichkeit und ein kleiner Moment dieses Menschen bewahrt bleiben.


– Gibt es Motive, die dich nie loslassen?

Mich lassen vor allem die ungestellten Momente bei Menschen nicht los. Diese Augenblicke, in denen sich während eines Gesprächs etwas öffnet und ein Mensch ganz selbstverständlich zeigt, was ihn bewegt. Seine Geschichte bekommt einen Ausdruck – im Gesicht, in einer Bewegung, in der Stimmung, die zwischen uns entsteht. Das fasziniert mich immer wieder.

Gerade in der Personal-Branding-Fotografie gehören für mich die berufliche Geschichte und die Persönlichkeit eines Menschen eng zusammen. Wer zu mir kommt, bringt eigene Erfahrungen, Persönlichkeit und Beweggründe mit. Ich möchte erfahren, was diesen Menschen antreibt, wofür er steht und wie er seinen Weg gefunden hat. Denn die Persönlichkeit prägt das eigene Business und macht auch viel von dem aus, weshalb andere Menschen sich angesprochen fühlen und eine Zusammenarbeit suchen.

Deshalb beginnt meine fotografische Arbeit mit dem Kennenlernen und setzt sich im Dialog fort. Auch während ich fotografiere, bleiben wir im Gespräch. Ich höre zu, frage nach und lasse Raum für das, was mein Gegenüber erzählen möchte. Während wir sprechen, verändert sich der Ausdruck, Gefühle treten hervor und die Geschichte wird auch in kleinen Gesten sichtbar. In diesen Momenten bin ich besonders aufmerksam und drücke auf den Auslöser.

Diese Art zu arbeiten entspricht meinem Wesen. Ich bin ein ruhiger, empathischer und tiefgründiger Mensch. Über das Gespräch finde ich einen Zugang zu meinem Gegenüber und darüber auch zu meinen Bildern. Die Atmosphäre, die zwischen uns entsteht, ist für mich ein wichtiger Teil der Fotoserie. In ihr können sich die Persönlichkeit und die Emotionen zeigen, die zur Geschichte dieses Menschen gehören.

Genau diese Verbindung zieht mich immer wieder an: einem Menschen zuzuhören und gleichzeitig zu sehen, wie das Erzählte in seinem Ausdruck lebendig wird. Darin finde ich die natürlichen Momente, die ich mit meiner Kamera festhalten möchte.


– Wie entsteht bei dir eine Bild-Idee?

Bei Porträts beginnt eine Bildidee für mich meistens im Gespräch. Bevor jemand vor meine Kamera tritt, möchte ich erfahren, wer dieser Mensch ist, was er sich wünscht und was seine Bilder erzählen sollen. Je mehr ich über mein Gegenüber weiß, desto konkreter werden auch meine Vorstellungen.

In der Personal-Branding-Fotografie interessiert mich zunächst die berufliche Geschichte: Was macht die Person? Was bietet sie an, und was prägt ihre Arbeit? Dann schauen wir gemeinsam darauf, welche Aufgabe die Bilder erfüllen sollen. Werden sie für die Website gebraucht, für Social Media oder für beides? Welche Botschaft und welches Gefühl sollen sie vermitteln?

Dabei geht es auch um die Frage, was jemand von sich zeigen möchte. Wie möchte sich dieser Mensch präsentieren, welche Seiten seiner Persönlichkeit sollen sichtbar werden, und womit fühlt er sich wohl? Diese Fragen geben den Bildideen eine Richtung. Aus den Antworten entstehen nach und nach Vorstellungen von Situationen, Orten und einer passenden Atmosphäre.

Das können zum Beispiel Bilder im eigenen Büro sein, eine Gesprächssituation oder Porträts draußen in der Natur. Ich überlege, in welchem Umfeld die Persönlichkeit und die gewünschte Aussage gut zur Geltung kommen können. Manchmal entsteht schon während des Vorgesprächs eine Verbindung zwischen dem, was mir jemand erzählt, und einem Ort, den ich kenne.

Hier fließt auch meine Landschaftsfotografie ein. Ich bin viel draußen unterwegs und kenne rund um den Ammersee schöne Plätze, die sich für Porträts eignen können. Diese Orte habe ich im Hinterkopf, wenn ich über ein Shooting nachdenke. Dann schaue ich, welcher davon zu dem Menschen, seinen Wünschen und der Stimmung passen könnte, die wir in den Bildern vermitteln möchten.

Weitere Anregungen finde ich in den Arbeiten anderer Fotografen. Deren Bilder können einen Gedanken anstoßen, aus dem sich eine eigene Idee entwickelt. Auch persönliche Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle geben mir Impulse. Manchmal beschäftigt mich etwas, und daraus wächst die Frage, wie ich es fotografisch ausdrücken könnte.

Meine Bildideen entstehen also aus vielen Eindrücken. Bei einem Porträtshooting finden sie ihren Bezug immer wieder in dem Menschen, den ich fotografiere, und in der Geschichte, die wir mit den Bildern erzählen möchten.


– Welches deiner Bilder beschreibt dich am besten?


Ich finde mich in diesen drei Bildern auf unterschiedliche Weise wieder.

Die Nahaufnahme steht für meine ruhige, tiefgründige Seite. Ich schaue gern genauer hin, höre zu und möchte erfahren, welche Geschichte ein Mensch mitbringt. Diese Aufmerksamkeit begleitet mich auch beim Fotografieren.

Das Bild von mir zwischen den leuchtenden Herbstblättern verbindet mich mit meiner Freude zur Natur. Landschaften, Licht und Farben ziehen mich immer wieder nach draußen. Dort finde ich viele Motive, die mich erden und zur Ruhe kommen lassen.

Am unmittelbarsten beschreibt mich wohl das Selbstporträt mit der Kamera. Die Fotografie begleitet mich seit meiner Kindheit und ist über die Jahre zu einem wichtigen Ausdrucksmittel geworden. Mit ihr halte ich Momente fest, begegne Menschen und erzähle Geschichten.

Zusammen zeigen die drei Bilder etwas von dem, was mich als Mensch und Fotografin ausmacht: meine Tiefe und Freude am Beobachten, meine Verbundenheit mit der Natur und die Kamera als vertraute Begleiterin.


– Was lernst du durch Menschenfotografie über andere – und über dich selbst?

Durch die Porträtfotografie lerne ich immer wieder, wie unterschiedlich Menschen sind und wie individuell ich mich auf sie einstellen muss. Jeder bringt seine eigene Geschichte mit, eine eigene Persönlichkeit und auch ein eigenes Gefühl dafür, vor der Kamera zu stehen.

Dabei erlebe ich häufig, wie kritisch Menschen sich selbst betrachten. Plötzlich beschäftigt sie eine Hautunreinheit, die Frisur oder die eigene Figur. Der Gedanke daran, fotografiert zu werden, lenkt den Blick manchmal sehr stark auf alles, was einem an sich selbst nicht gefällt. Auch der Vergleich mit vermeintlich perfekten Bildern auf Social Media kann dabei eine Rolle spielen.

Ich kenne diese Gedanken selbst. Wenn ich vor einer Kamera stehe, fühle ich mich ebenfalls manchmal unsicher und betrachte mich kritisch. Diese Erfahrung hilft mir, mein Gegenüber zu verstehen. Ich kann nachvollziehen, dass es Zeit braucht, um sich in dieser Situation wohlzufühlen und freier zu werden.

Deshalb nehme ich mir diese Zeit. Ich setze mich mit ins Set, wir kommen ins Gespräch, ich stelle Fragen und richte nebenbei meine Kamera ein. Die ersten Aufnahmen gehören zu diesem gemeinsamen Ankommen. Wir reden, haben Spaß und finden nach und nach in eine lockere Atmosphäre. Häufig merke ich nach ungefähr einer halben Stunde, wie sich etwas verändert: Die Kamera rückt in den Hintergrund, wir können freier und kreativer arbeiten, und die natürlichen Momente entstehen, die ich so gern festhalte.

Über mich selbst lerne ich dabei, wie viel meine ruhige Art und meine Freude am persönlichen Austausch zu meiner Fotografie beitragen. Ich finde über das Zuhören und das Gespräch einen Zugang zu Menschen. Dafür braucht es Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, mich jedes Mal neu auf jemanden einzulassen.

Wenn mir jemand hinterher erzählt, dass er sich beim Shooting wohlgefühlt hat, bedeutet mir das viel. Dieses Wohlgefühl wird für mich auch in den Bildern sichtbar. Ich lerne durch diese Begegnungen, meinem eigenen Weg als Fotografin zu vertrauen und jedem Menschen die Zeit zu geben, die er braucht, um sich vor meiner Kamera frei zeigen zu können.