Lerne die Menschen hinter den Augsburger Fotografen kennen.

In unseren Porträts stellen sich die Mitglieder von den AuFo’s vor, erzählen von ihrer Leidenschaft für die Fotografie, ihren Lieblingsmotiven und persönlichen Erfahrungen.

So erhältst du einen Einblick in die vielfältigen Persönlichkeiten, die unsere Gemeinschaft prägen.


Interview mit Henry A. Schulze

Mein Name ist Henry A. Schulze, geboren in Magdeburg und seit vielen Jahren in Augsburg zu Hause. Beruflich arbeite ich als Therapeut und verbringe einen
großen Teil meiner Zeit mit Menschen. In meiner Freizeit hat die Fotografie einen festen Platz – sie ist für mich ein kreativer Ausgleich und begleitet mich inzwischen seit vielen Jahren.
Ich fotografiere am liebsten dort, wo Licht, Menschen und Architektur aufeinandertreffen. Dabei bin ich sowohl analog als auch digital unterwegs und freue mich immer wieder über den Austausch mit anderen Fotografinnen und Fotografen in Augsburg.

Bild: Daniel Büttner


– Wer bist du, wenn du gerade keine Kamera in der Hand hast?
Wenn ich keine Kamera in der Hand habe, bin ich Therapeut mit eigener Praxis und habe mich auf die Lymphologie spezialisiert. Als Fachlehrer und international tätiger Referent bin ich außerdem regelmäßig unterwegs, um mein Wissen weiterzugeben. Die Arbeit mit Menschen prägt meinen Alltag und hat mich gelehrt, aufmerksam hinzusehen, zuzuhören und auch die kleinen Details wahrzunehmen – etwas, das mir auch in der Fotografie sehr wichtig ist.
Ein weiterer wichtiger Teil meines Lebens ist die Musik. Ich spiele seit meinem elften Lebensjahr Gitarre und begleite dieses Hobby inzwischen seit über drei Jahrzehnten. Früher war ich außerdem viel in den Bergen zum Klettern unterwegs. Heute ist die Zeit dafür oft begrenzter, und gerade deshalb hat die Fotografie wieder einen festen Platz in meinem Leben gefunden. Sie ist für mich kreativer Ausgleich, Entschleunigung und die Möglichkeit, die Welt immer wieder mit neuen Augen zu entdecken.


– Welche drei Eigenschaften beschreiben dich am besten?
Geduldig, aufmerksam und humorvoll. Ich nehme mir gerne Zeit für Menschen und Details, beobachte bewusst mein Umfeld und finde, dass eine gute Portion Humor vieles einfacher macht.


– Was begeistert dich im Leben genauso sehr wie die Fotografie?
Ganz klar: Musik. Sie ist für mich genauso vielseitig wie die Fotografie und begleitet mich schon einen großen Teil meines Lebens. Dabei geht es nicht nur ums Musikhören oder Gitarre spielen; ich habe eigene Musik geschrieben, produziert und mich sogar mit Instrumentenbau beschäftigt.
Mich fasziniert der kreative Prozess genauso wie die vielen kleinen Details, die am Ende den Unterschied machen. Genau diese Mischung aus Kreativität, Technik und Aufmerksamkeit für Feinheiten finde ich auch in der Fotografie wieder.


– Gibt es eine Eigenschaft an dir, die viele Menschen überraschen würde?
Wahrscheinlich meine Vielseitigkeit. Viele Menschen nehmen mich zunächst als Therapeuten wahr und erfahren erst später, wie viele unterschiedliche Interessen und Tätigkeiten mich darüber hinaus begleiten. Die Musik, die Fotografie, das Unterrichten als Fachlehrer, meine Arbeit als internationaler Referent und auch das Schreiben von Fachbüchern gehören für mich ganz selbstverständlich dazu. Dass sich all diese
Bereiche in einer Person vereinen, überrascht viele.


– Was möchtest du, dass Menschen nach einem Treffen mit dir über dich sagen?
Ich bin da recht entspannt und beschäftige mich nicht allzu sehr damit, was andere über mich denken. Mir ist wichtiger, dass Begegnungen ehrlich und auf Augenhöhe stattfinden. Wenn jemand nach einem Treffen sagt, „Das war ein angenehmer und authentischer Mensch“, dann reicht mir das vollkommen.


– Wenn du jemandem, der noch nie fotografiert hat, erklären müsstest, warum du fotografierst – was würdest du sagen?
Fotografie ist für mich ein kreatives Ventil und gleichzeitig eine Form der Beobachtung. Sie fordert mich dazu auf, genauer hinzusehen und Dinge wahrzunehmen, an denen andere vielleicht vorbeigehen. Mich reizt dabei sowohl die ästhetische Seite als auch der Gedanke, Entwicklungen, Orte und Stimmungen festzuhalten, die sich mit der Zeit verändern oder verschwinden.


– Viele Menschen machen Fotos. Wann wird aus dem Knipsen für dich echte Fotografie?
Für mich wird aus dem Knipsen Fotografie, wenn man sich bewusst mit Bildgestaltung auseinandersetzt. Es geht nicht nur darum, einen Moment festzuhalten, sondern darum, wie man ihn festhält. Licht, Perspektive, Komposition und Ästhetik spielen dabei eine wichtige Rolle. Gerade in der analogen Fotografie ist das besonders spürbar, weil man sich vor dem Auslösen Gedanken machen muss. Gleichzeitig gehört für mich auch der glückliche Zufall dazu – oft entstehen die spannendsten Bilder genau dort, wo Planung und spontane Momente aufeinandertreffen.


– Gibt es einen Ort in Augsburg, den du immer wieder fotografierst und trotzdem nie langweilig findest?
Zwei Orte ziehen mich immer wieder an: der Tunnel am Hauptbahnhof und das Gelände rund um den Gaskessel. Im Tunnel fasziniert mich vor allem das Licht, das je nach Tageszeit immer wieder neue Stimmungen erzeugt. Am Gaskessel mag ich die Mischung aus Industriecharme, Strukturen und den vielen fotografischen Möglichkeiten.
Langweilig werden mir diese Orte nie, weil sie sich ständig verändern – durch Licht, Wetter oder die Menschen, die dort unterwegs sind.
Gleichzeitig bietet Augsburg so viele spannende Kulissen, dass es am Ende immer darauf ankommt, was ich fotografieren möchte. Besonders reizvoll finde ich es, verschiedene Genres wie Streetfotografie, Architektur und Peoplefotografie miteinander zu verbinden.


– Was suchst du, wenn du durch die Stadt läufst: Licht, Menschen, Emotionen oder eher den Zufall?
Ich gehe selten mit einer festen Suche los. Es hängt von der Stimmung und dem ab, was mir unterwegs begegnet. Licht ist dabei natürlich ein wichtiger Bestandteil, aber wenn man gelernt hat, damit umzugehen, ist es fast egal, welche Kamera man in der Hand hält. Entscheidend sind für mich die besonderen Momente – die kleinen Szenen oder Stimmungen, die man nicht planen kann und die ein Bild erst lebendig machen.


– Augsburg hat viele Gesichter – welches zeigt sich deiner Meinung nach erst, wenn man mit der Kamera unterwegs ist?
Ich glaube, Augsburg zeigt seine spannendste Seite erst, wenn man langsamer wird. Mit der Kamera schaut man anders hin und entdeckt Details, Strukturen und Lichtstimmungen, die im Alltag leicht übersehen werden. Gerade diese Mischung aus Geschichte, Industrie, moderner Architektur und den Menschen, die die Stadt prägen, macht Augsburg für mich fotografisch so interessant.


– Was sehen Menschen auf deinen Bildern, dass sie vielleicht in dir selbst wiederfinden würden?
Ich glaube, meine Bilder zeigen, dass ich lieber beobachte als inszeniere. Mich faszinieren die leisen Momente zwischen Menschen, Licht und Architektur – Situationen, die oft nur für einen kurzen Augenblick entstehen. Die analoge Fotografie hat meinen Blick dafür geprägt, weil sie Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. Vielleicht erkennen Menschen darin auch etwas von meiner eigenen Art wieder: neugierig, geduldig und mit Freude daran, genauer hinzusehen.


– Wann warst du das letzte Mal selbst sprachlos, als du ein fertiges Bild gesehen hast?
Sprachlos ist vielleicht das falsche Wort – aber ich überrasche mich tatsächlich immer wieder selbst. Gerade bei der analogen Fotografie sehe ich das fertige Bild oft mit etwas Abstand und entdecke Details, Lichtstimmungen oder Bildwirkungen, die ich beim Auslösen nur erahnt habe.
Genau diese Mischung aus bewusster Gestaltung und einem kleinen Stück Unvorhersehbarkeit begeistert mich bis heute.


– Wenn deine Bilder sprechen könnten – was würden sie über dich erzählen?
Ich glaube, sie würden erzählen, dass ich gerne beobachte und mir Zeit nehme. Dass ich Schönheit oft dort finde, wo andere vielleicht nur Alltag sehen. Und dass mich weniger das Offensichtliche interessiert als das, was zwischen Licht, Architektur und Menschen für einen kurzen Moment entsteht.


– Was inspiriert dich außerhalb der Fotografie?
Neben der Fotografie inspiriert mich vor allem die Musik. Sie begleitet mich schon seit vielen Jahren und hat meinen Blick für Rhythmus, Stimmung und Details geprägt. Inspiration finde ich aber auch überall dort, wo Licht, Formen und Menschen aufeinandertreffen. Oft sind es ganz alltägliche Situationen oder Orte, die erst durch ihre Atmosphäre interessant werden.


– Gibt es Themen oder Motive, die dich immer wieder magisch anziehen?
Mich faszinieren Orte, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Übergangsräume, besondere Lichtstimmungen, Spiegelungen oder klare Strukturen ziehen mich immer wieder an. Besonders spannend wird es für mich, wenn sich Architektur, Licht und Menschen für einen kurzen Moment zu einem Bild verbinden, das man so nicht planen kann.


– Welche Ausrede benutzt du, wenn Passanten dich komisch anschauen, während du einen Gullideckel oder eine Hauswand fotografierst?
Eigentlich gar keine. Meistens ist es mir ziemlich egal, was andere in dem Moment denken. Wenn mich etwas fotografisch interessiert, dann fotografiere ich es einfach. Und wer selbst fotografiert, versteht meistens ohnehin sofort, warum man plötzlich vor einer Hauswand oder einem Gullideckel stehen bleibt.


– Wie erklärst du Freunden, dass “nur kurz zum Fotografieren rausgehen” durchaus drei Stunden dauern kann?
„Ich bin gleich wieder da“ ist beim Fotografieren wahrscheinlich die unzuverlässigste Zeitangabe überhaupt. Viele Freunde wissen das inzwischen. Wenn man einmal im Fotografieren drin ist, vergeht die Zeit einfach anders und aus einer halben Stunde werden ganz schnell drei.


– Wenn Augsburg eine Person wäre – wie würdest du sie fotografieren?
Ich würde Augsburg erst einmal einfach machen lassen. Mit ihrem Alter und ihrer Geschichte weiß die Stadt ziemlich genau, wer sie ist. Ich müsste ihr nichts vorgeben, sondern nur aufmerksam beobachten und im richtigen Moment auf den Auslöser drücken. Die spannendsten Bilder entstehen für mich ohnehin dann, wenn nichts gestellt ist.


– Was macht Augsburg für Fotografen besonders?
Für mich ist es der Charakter der Stadt. Augsburg ist nicht perfekt und genau das macht sie fotografisch so spannend. Historisches trifft auf Modernes, schöne Ecken auf Brüche und Widersprüche. Gerade diese Spuren der Vergangenheit und der Gegenwart verleihen der Stadt ihre Identität. Aus diesen Kontrasten entstehen oft die interessantesten Bilder.


– Welche Jahreszeit zeigt Augsburg von seiner schönsten Seite?
Ich könnte mich da gar nicht festlegen. Jede Jahreszeit bringt ihr eigenes Licht, ihre eigenen Farben und ihre eigene Stimmung mit. Gerade diese Vielfalt sorgt dafür, dass Augsburg für mich nie langweilig wird.


– Welche Entwicklung wünschst du dir für die Fotografie und die Fotografen-Community in Augsburg?
Ich bin zwar erst seit drei bis vier Jahren Teil der Augsburger Fotografen-Community, habe aber in dieser Zeit viele unterschiedliche Menschen und Sichtweisen kennengelernt. Genau diese Vielseitigkeit schätze ich sehr. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass diese Offenheit und der Austausch untereinander erhalten bleiben. Am meisten lernt man oft nicht durch Technik, sondern durch Gespräche, gemeinsame Fototouren und den Blick anderer auf dieselbe Szene.


– Wenn du einem jungen Fotografen aus Augsburg nur einen einzigen Satz mitgeben dürftest – welcher wäre das?
Einfach machen. Nicht zu viel über Technik nachdenken, sondern fotografieren, Erfahrungen sammeln und sich ehrlich mit den eigenen Bildern auseinandersetzen. Der eigene Blick entwickelt sich nicht am Schreibtisch, sondern hinter der Kamera.


– Stell dir vor, dieses Interview wird in zehn Jahren noch einmal gelesen. Was möchtest du deinem Zukünftigen Ich heute mit auf den Weg geben?
Eigentlich möchte ich meinem zukünftigen Ich gar nicht viele Ratschläge geben. Wichtig ist für mich, eine gute Zeit zu haben, neugierig zu bleiben und die Welt nicht zu verbissen zu betrachten. Wenn ich in zehn Jahren noch immer Freude daran habe, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mich an kleinen Dingen begeistern kann, dann ist schon vieles richtig gelaufen.

Interview mit Ina Grägel

Hallo zusammen, mein Name ist Ina Grägel, einige kennen mich einfach als Ina oder Inaceline. Mein zweiter Vorname lautet Celine, und ich dachte es wäre ein cooler Nickname meine zwei Namen zu verbinden.Ich bin gebürtige „Augschburgerin“. Ich arbeite für ein Münchner Unternehmen in der Energiebranche und da der Beruf recht technisch ist, bin ich froh, meine Kreativität mit meiner Nikon ausleben zu dürfen.

Die Fotografie war eigentlich der Traum meines Vaters – bei mir hat es erst spät „Klick“ gemacht, als ich aufgrund eines Schicksalsschlages krank wurde und mir zusammen mit einer Freundin kreativen Ausgleich gesucht habe.

Bild: Hagaff


Was fasziniert Dich beim Fotografieren von Vögeln am Meisten?
Vögel sind so artenreich und vielseitig – von der Gestaltung Ihres Gefieders bis hin zu Ihrem Gesang. Ihr Verhalten in der Natur zu beobachten, ist nicht so schwer denn es gibt sie überall. Zudem sind Vögel die Tiere, die zusammen mit Krokodilen beinahe direkt von den Dinosauriern abstammen. Ein Huhn hat somit mehr mit einem T-Rex gemeinsam, als wir denken *grins*


Welche Motive fotografierst Du sonst noch wenn es keine Vögel gibt?
Ich brauche immer mal wieder Abwechslung, da mir sonst schnell langweilig wird – daher fotografiere ich auch gern andere Tiere wie Insekten oder Säugetiere. Aber sehr oft auch Architektur, Landschaft und ein bisschen Street- so ein  pulsierendes Stadtleben kann unheimlich faszinierend sein und auch die Szenen, die sich dort abspielen. Besonders toll ist es mit Nachtbeleuchtung, da sieht man das andere Gesicht der Stadt. Neonschilder und schwache Laternenbeleuchtung wirkt oft magisch. Architektur und Landschaft wiederum sind sehr entspannend und laufen zeitlich langsamer ab.


Wenn Du heute neu anfangen würdest – was würdest Du anders machen?
Ich würde meinen Ehrgeiz wahrscheinlich etwas einbremsen – mehr Wert auf Achtsamkeit legen. Auf Reisen oder in manchen Phasen war ich tatsächlich wie auf der „Jagd“. Da wurden Spots regelrecht mit Uhrzeiten getaktet (z.B. bei einem Stadturlaub) und es war mehr stressig als schön. Das geht dann auf Kosten der Kreativität, weil man schnell erschöpft ist und wenn dann einmal etwas wegen Wetter oder anderen Umständen nicht hinhaut, dann ist man besonders enttäuscht. Dabei sind die besten Aufnahmen meistens sowieso die, die unverhofft herausgekommen sind. Ich möchte künftig wieder den Druck herausnehmen und mich eher treiben lassen. Also langsamer, weniger – aber dafür wieder mit mehr Qualität.


Woher nimmst Du neue Inspiration?
Tatsächlich finde ich es immer sehr spannend, was die anderen Fotografen aus der Community so machen und an neuen Anreizen bieten – da hat man dann wieder richtig Lust darauf, selbst etwas auszuprobieren – manchmal auch in einem fremden Genre. Ansonsten sind es Bilder aus der Kunst, die eine tolle Szene oder Stil präsentieren…der Vorgänger der Fotografie und einige Regeln, welchen Bildaufbau man ansprechend oder ästhetisch findet sind ja auch aus der Kunst. Manchmal blättere ich auch durch Reise oder Fotomagazine und bin dann angefixt.


Wie erkennst Du einen besonderen Moment?
Wenn ich mit allen meinen Sinnen voll dabei bin und die Freude spüre. Das ist fast ein bisschen wie verliebt sein mit Schmetterlingen im Bauch. Wenn ich ganz im Moment bin, dann sind Geräusche, Gerüche, Gefühle und das was man durch die Linse sieht, stimmig und im Einklang. Das kann der laue Sommerwind sein, wenn die Sonne untergeht. Oder der heutige Geruch, das Grillenzirpen und das leichte Kratzen von Kornähren am Bein.


Welche Aufnahme hat Dich am meisten Überwindung gekostet?
Das war eine Aufnahme eines Leuchtturms am Kap de Formentor auf Mallorca. Ich wollte den Leuchtturm zur blauen Stunde aufnehmen und habe daher zuvor einen geeigneten Spot recherchiert. Ich hatte im Urlaub leider zu wenig Zeit, um den Ort vorher ausgiebig zu scouten und bin einfach zur   richtigen Zeit drauflos. Vor Ort hat sich der Weg dann sehr beschwerlich herausgestellt – es war ein schmaler Sims auf einem hohen, gegenüberliegenden Fels entlang und der Boden bestand nur aus lockerem Geröll. Eigentlich war es ein Ziegenpfad, die mir dann auch mehr oder weniger Gesellschaft geleistet haben. Ich habe es nicht so mit der Höhe, deswegen war der Weg dorthin etwas unangenehm. Vor Ort saß ich dann noch eine Stunde im Schatten des Felsens, auf dem ich mich eingerichtet habe, um auf die Dämmerung zu warten. Es war einfach arschkalt, obwohl es in der Sonne bestimmt 30 Grad hatte. Nach dem Foto musste ich dann wieder schnell absteigen, weil ich den wackeligen Ziegenpfad mit der ganzen Ausrüstung nicht auch noch im Dunkeln absteigen wollte. Ich wurde dafür noch mit einer Aufnahme belohnt, wie die Sonne gerade hinter den Felsen am Kap untergeht – also hatte sich der Aufwand schon rentiert.


Wie wichtig ist Technik für gute Bilder?
Die Technik der Kamera ist das Grundgerüst, sozusagen die Basics für gute Bilder. Man sollte sich davon aber nicht abschrecken lassen. Das ist nichts, was man nicht lernen kann. Es gibt nichts Blöderes, als im richtigen Moment nicht zu wissen, was man tun muss um es festzuhalten. Passiert ist mir das natürlich auch schon – dass ich nicht die richtige Einstellung hatte oder die Lichtverhältnisse sich verändert haben. Außerdem erleichtert uns die Technik heutzutage vieles – es ist unglaublich wie leistungsstark heutige Kameras sind was Fokus, Bildschärfe und Rauschunterdrückung angeht. Die Technik ist unser Support, aber wir müssen schon noch selbst entscheiden, was wir vermitteln wollen – und welche Atmosphäre wir einfangen möchten.


Welche fotografische Fähigkeit würdest Du gern noch perfektionieren?
Ich würde gern noch mehr Variationen in Bewegung reinbringen – Bewegungsunschärfe zeigen, da gibt es ja ganz viele Arten wie man mit Bewegung spielen kann. Bei Vögeln, die mit den Flügeln schlagen oder im Stadtverkehr. Es fällt mir nicht so leicht, solche Dinge auszuprobieren. Man verlässt sich zu oft auf die Dinge, bei denen man sich sicher ist. Auch würde ich gerne mehr Makrofotografie und Insekten ausprobieren. Damit muss ich mich aber wahrscheinlich separat mal befassen.


Wie oft versteckst Du Dich für ein Bild im Gebüsch?
Haha, das ist eine gute Frage – aber tatsächlich nicht oft. Ist natürlich die Frage, für welches Motiv. Bei einem menschlichen Motiv könnte das fragwürdig sein. Für richtige Wildlife-Fotografie wie z.B. Rehe oder dergleichen sollte man das natürlich. Das kommt auch vielleicht noch. Tatsächlich liege ich aber oft im Gras oder am Boden. Die Bodenstruktur kann unheimlich interessant sein als Vordergrund für ein Motiv.


Welches Missgeschick ist Dir beim Fotografieren passiert?
Mal von den unzähligen verschlampten Objektivdeckeln abgesehen, bin ich schon einmal mit leerem Akku losgezogen und hatte als Ersatz dann einen falschen Akku dabei. Und es ist ganz toll, wenn es dann erst am Spot auffällt – also mehr Zeit in die Vorbereitung investieren !

Aber ich bin auch schon mit einer Freundin im Winter bei Schnee los, um eine Burgruine aufzunehmen. Im Feld bin ich dann in eine knietiefe Eispfütze eingebrochen und hatte nasse Socken. Das war unangenehm!


Worauf bist Du besonders stolz?
Ich bin stolz, dass ich ein Teil der Community bin und so akzeptiert werde, wie ich bin und jeder seinem Stil treu bleiben kann. In Thailand konnte ich einen „Hornbill“-Vogel (Nashornvogel) fotografieren, darauf bin ich stolz bzw. hatte ich tatsächlich darauf gehofft. Unterschiedliche Vögel zu fotografieren ist auch ein bisschen wie Pokemon-Karten sammeln – es gibt für Vogelbegeisterte extra Apps zum dokumentieren oder Gesangserkennung.


Was verbindet Fotografen unabhängig vom Alter?
Ich würde sagen, der Ausdruck von Kreativität und  das Bewusstsein für Details und besondere Momente. Es geht gar nicht um das fertige Bild – es geht auch um das Erlebnis an sich, bei dem man auch Abenteuer erleben kann. Die Umstände um einen herum, während man auf den Auslöser drückt. Und das schafft auch Gemeinsamkeit, wenn man sich die Erlebnisse erzählt und dann z.B. die Ergebnisse präsentiert. Schon allein deshalb ist Fotografie nie langweilig und es entstehen Geschichten.